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20. Oktober, 19 UHR

Friedenskirche Stuttgart

Musik: Gospel im Osten
Redner: Prof. Dr. Siegfried Zimmer
Uhrzeit: 19 Uhr (18:45 zum Einsingen)

 

»Wo die Schönheit des Glaubens die Seele

durch die Ohren verzaubert«

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Ein Blog-Beitrag von Gastprediger Prof. Thorsten Dietz

GospelHaus-Workshop mit Hans Christian Jochimsen

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Am Montag beim Aufwachen: Feeling blue, Shadows all around me, aber die Gewissheit You are not alone, denn Teardrops falling auch bei anderen Sängern mit After-Workshop-Blues. Im Vertrauen darauf I am loved, You are here and Angels by my side ging es im Laufe des Tages dann schon besser. Und weil die nächste Probe bestimmt kommt, konnte ich abends sagen: I will lift up my hands, I will sing, I will dance.

Was war passiert? Ich hatte das erste Mal am GospelHaus-Workshop teilgenommen und war am Montag einerseits vom inneren Glück noch so beseelt, dass alle möglichen Textstellen in meinem Kopf durcheinander wirbelten. Gleichzeitig war da aber auch ein Loch, weil diese wunderbare und intensive Zeit nun vorbei war.

Hans Christian Jochimsen hat uns drei Tage begleitet, angeleitet, motiviert und gefordert. Die Ansage war klar: das neue Programm wird einstudiert und am Sonntagabend werden Songs daraus im GospelHaus-Gottesdienst gesungen – und zwar auswendig. Hans Christian hat seine ganz eigene Art Lieder einzustudieren. Das durften wir bereits in Kopenhagen erleben: wir lernen den Chorus von A friend in me, springen dann zum Vers, jede Stimme zweimal durch, dann Wechsel zum Vers von I will lift up my hands, kurz noch den Chorus, dann stimmt er nahtlos schon wieder A friend in me an … wie war doch gleich der erste Ton vom Chorus? Immer volle Konzentration – einem Medley gleich. Dazwischen noch kurz Angels. Das sollten wir unbedingt beherrschen, weil‘s so schön ist!

Es war anstrengend, zumal die Konversation auf Englisch erfolgte, und das für mich als Ungeübte allein schon eine Herausforderung darstellte. Hans Christian forderte und förderte, ohne zu Überfordern. Er motivierte, nahm uns mit und war selbst jederzeit präsent; war offensichtlich auch mal überrascht, wenn er sagte: Okay, diese Variante meines Songs kenne ich bisher noch nicht! Auch der Spaß kam nie zu kurz. Wenn wir dann ernst und konzentriert am Nachsingen waren, kam auch schon mal der Spruch: No panic! Es darf auch mal ein Ton falsch sein; Hauptsache, er kommt aus einem strahlenden, überzeugten Gesicht. Niemand würde deshalb heimgeschickt.

Ich glaube, nach der Stellprobe beim letzten Durchsingen hatte dann aber auch Hans Christian Schweißperlen auf der Stirn und vielleicht kurz Bedenken, ob das Ziel nicht doch zu hochgesteckt sein könnte. Denn auch für die Band war das Programm komplett neu und gemeinsam geübt hatten wir ja auch noch nicht.

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Dann aber im Gottesdienst zeigte sich die Gemeinschaft. Auch wenn man selbst Textlücken hatte, Hans Christian hat vor- und mitgesungen, Passagen selbst übernommen und das Ganze mitgetragen. Die Atmosphäre kann man durchaus als magisch bezeichnen – Gänsehaut pur. Auch die prägnante Predigt von Stadtdekan Schwesig war sehr stimmig. Als i-Tüpfelchen kam danach das Solostück von Hans Christian. Man glaubt ihm, was er singt. Er strahlt es aus und verkörpert es, und das zieht einen in den Bann.

Das abschließende Segenslied Angels by your side hat vermutlich niemanden in der voll besetzen Friedenskirche unberührt gelassen. Zuerst haben wir als Chor es gesungen. Dann hat Hans Christian eine Strophe auf dänisch eingefügt, nochmals der Chor mit Band und dann das Handzeichen zum Abgang von der Bühne. Es gab noch diverse Wiederholungen, bis auch die Band aufgehört hatte und nur noch a capella gesungen wurde. Als der Schlusston verklungen war, gab es einige feucht glitzernde Augen, denn dieses Gefühl in diesem Moment war wahrlich einzigartig.

Ich danke allen Verantwortlichen, Helfern und Organisatoren, die uns Sängern diesen Workshop ermöglicht haben. Jetzt muss ich weiter üben, damit ich die vielen Sätze in meinem Kopf sortiert bekomme und nächsten Monat mit genauso viel Mut, aber weniger Lücken mitsingen kann.

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Text: Sandra Flotta
Fotos: Ludmilla Parsyak